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Rundbrief Juni 2026


Liebe Mitglieder, Unterstützende und Interessierte,

die Auseinandersetzung um das Gebäude-Modernisierungs-Gesetz (GModG) bestimmt auch im Juni die öffentliche Debatte. Bundesrat, Normenkontrollrat, viele Fach-Verbände haben sich vernichtend zum Entwurf geäußert. Am Montag 22.06.2026 übten Expert*innen scharfe Kritik am GModG in der Anhörung. Es kommt jetzt auf das Parlament an.

Mehr als 100 Personen haben an unserem Webinar “Vom Einfamilienhaus zum Mehrfamilienhaus” teilgenommen. Die Video-Aufzeichnung finden Sie in unseren neuen Peertube Kanal, wir lösen uns damit schrittweise von unserer Youtube-Abhängigkeit. Gerne stellen wir die Präsentationen der beiden Expertinnen zur Verfügung. Es lohnt sich besonders, die Zahlen zum Wohnungsbestand und den Potentialen von Wohnraum ohne Flächenversiegelung für die politische Debatte zu kennen. Mein Dank gilt den Referentinnen, den Teilnehmenden für die lebhafte Beteiligung und dem Mitglied des deutschen Bundestages, Oliver Pöpsel (CDU/CSU). Danke auch an unser Team für das informative Webinar und die reibungslose Organisation.

Wir müssen davon ausgehen, dass die tropischen Nächte mehr und mehr zum Alltag werden. Dies hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Der neueste Bericht der Earth Commission macht mich sehr betroffen. Frei übersetzt: “Der Mensch operiert jetzt weit außerhalb der planetaren Bedingungen, unter denen eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung möglich ist. Voraussetzung für den gerechten Zugang zu diesem Wohlstand ist die Sicherung der Stabilität des Erdsystems. Die Situation ist dringend – wir brauchen eine schnelle und tiefgreifende Richtungsänderung – eine kollektive Transformation.”

Bitte beachten Sie die Hinweise auf kurzfristig kommende Veranstaltungen. Beim Stromseminar der EWS in Schönau sind wir mit einem eigenen Stand vertreten. Schauen Sie gerne vorbei – wir freuen uns auf den Austausch!
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre.


Herzliche Grüße
Ihr Kurt Gramlich
Vorstandsvorsitzender, Klimaschutz im Bundestag e.V

 
Scharfe Kritik am Gebäudemodernisierungsgesetz
Öffentliche Anhörung des Bundestags

In einer öffentlichen Anhörung des Bundestags stieß das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) auf breite Kritik. Sachverständige bemängelten unter anderem mangelnde Praxistauglichkeit, zusätzliche Bürokratie, soziale Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie teilweise verfassungsrechtliche Bedenken. Im Zentrum der Debatte standen der Wegfall der 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel und die künftigen Vorgaben für neue Heizungen. Die Aufzeichnung der Anhörung ist auf der Website des Bundestags verfügbar.

Einen Beitrag von der Zeit zu dem Thema finden sie hier

Zur Kurzmeldung
Martin Ufheil: Das Gebäudemodernisierungsgesetz braucht Planungssicherheit

Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) stößt bei Fachverbänden, Sachverständigen und Ländern auf breite Kritik. Besonders umstritten ist die geplante Grüngasquote („Biotreppe“), die selbst Umweltverbände und Teile der Energiewirtschaft ablehnen. Martin Ufheil, Mitglied unseres Vorstands, ordnet die Debatte ein und erläutert, warum das GModG vor allem eines braucht: verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen für die Wärmewende.

  • Zum vollständigen Beitrag
 
Aus dem Bundestag

Bundesnetzagentur plant Reform der Stromnetzentgelte

Die Bundesnetzagentur hat einen Zwischenstand zur Reform der Stromnetzentgelte vorgestellt. Ziel ist eine gerechtere Verteilung der Netzkosten und mehr Anreize für ein netzdienliches Verhalten. Künftig sollen auch Betreiber von Solaranlagen, größeren Speichern und Stromerzeugungsanlagen stärker zur Finanzierung der Netze beitragen. Gleichzeitig sollen Flexibilität und die Integration erneuerbarer Energien gefördert werden. Der Entwurf soll im Sommer veröffentlicht und anschließend konsultiert werden.

Zum Bericht

Anhörung zum Stromnetzausbau

Mit einer Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes (pdf) will die Bundesregierung den Ausbau der Stromnetze beschleunigen. Geplant sind 45 neue Netzausbauvorhaben sowie eine stärkere Nutzung von Freileitungen statt Erdkabeln, um Kosten zu senken. Der Bundesrat unterstützt grundsätzlich das Ziel, fordert jedoch Nachbesserungen – unter anderem bei Offshore-Anbindungen und der Zuständigkeit für einzelne Projekte in Berlin.

Zur Stellungnahme (pdf)

Bundesrat fordert Nachbesserungen bei der Kraftwerksstrategie

Der Bundesrat sieht Änderungsbedarf beim Strom-Versorgungs- und Kapazitätsgesetz (StromVKG), mit dem die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung umgesetzt werden soll. Kritisiert werden insbesondere hohe Hürden für kleine und dezentrale Anlagen, die Kosten neuer Gaskraftwerke sowie die starke Konzentration geplanter Kraftwerke in Süddeutschland. Die Bundesregierung hält bislang an ihrem Entwurf fest. Aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage geht zudem hervor, dass der Gesetzentwurf ohne externe Beratungsleistungen erstellt wurde. Das Wirtschaftsministerium führte jedoch zwölf Gespräche mit Unternehmen, Verbänden und der Bundesnetzagentur.

Stellungnahme des Bundesrates Gegenäßerung der Bundesregierug (pdf)

Zum Gesetzentwurf (pdf)

Energy Sharing

Mit dem neuen § 42c des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) wurde Ende 2025 die rechtliche Grundlage für Energy Sharing geschaffen. Seit dem 1. Juni 2026 müssen Netzbetreiber die gemeinschaftliche Nutzung lokal erzeugten Ökostroms ermöglichen. Auf eine Kleine Anfrage der Grünen (pdf) erklärte die Bundesregierung nun, zunächst abwarten zu wollen, welche Modelle sich in der Praxis entwickeln. Weitere regulatorische Vorgaben seien aus ihrer Sicht derzeit nicht erforderlich. Die Debatte darüber, ob die bestehenden Regelungen ausreichen, um Energy Sharing in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen, dürfte damit weitergehen.

Antwort der Bundesregierung (pdf)
 
Klimawandel und Anpassung 
Pariser Luft 2015 im Vergleich zu 2023

Paris hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten konsequent Platz für Fahrräder, Fußgänger und Grünflächen geschaffen – mit beeindruckenden Ergebnissen. Die Belastung durch Feinstaub ist seit 2005 um 55 Prozent gesunken, Stickstoffdioxid um 50 Prozent. Dazu wurden unter anderem Zehntausende Parkplätze abgebaut, Radwege ausgebaut und der Autoverkehr eingeschränkt. Das Beispiel zeigt, wie eine konsequente Verkehrswende nicht nur das Klima schützt, sondern auch die Gesundheit der Stadtbevölkerung verbessert.

Mehr Informationen
Heat Dome

Ein sogenannter „Heat Dome“ hält derzeit die Hitze über weiten Teilen Deutschlands fest. Bei dieser Wetterlage wirkt ein stabiles Hochdruckgebiet wie eine Glocke: Warme Luft wird nach unten gedrückt, der Luftaustausch blockiert und die Temperaturen steigen tagelang an. In NRW werden örtlich bis zu 40 °C erwartet. Besonders belastend sind die heißen Nächte, in denen sich Städte kaum noch abkühlen. Das Phänomen zeigt, wie wichtig Hitzeschutz und Klimaanpassung in Kommunen werden

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Bonner Klimakonferenz
Die Bonner Klimaverhandlungen haben nach Einschätzung von Germanwatch nicht die Fortschritte gebracht, die angesichts der Klimakrise nötig wären. Zwar wurden technische Fragen weiterbearbeitet, bei zentralen Themen wie Klimafinanzierung, Emissionsminderung und der Vorbereitung der COP31 blieben jedoch viele Konflikte ungelöst. Ute Sudmann von Germanwatch kritisiert, dass die Verhandlungen insgesamt zu langsam vorankommen und wichtige Entscheidungen erneut vertagt wurden. Nun komme es darauf an, bis zur COP31 deutlich mehr Verbindlichkeit und Ambition zu erreichen.
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Petrochemie rückt beim Fossilausstieg in den Fokus

Während Kohle, Öl und Gas als Energieträger zunehmend unter Druck geraten, setzt die fossile Industrie verstärkt auf die Petrochemie als künftigen Absatzmarkt. Auf einer internationalen Konferenz in Santa Marta, Kolumbien, wurde deutlich: Ein gerechter Ausstieg aus fossilen Energien muss auch die Herstellung von Kunststoffen und anderen petrochemischen Produkten in den Blick nehmen. Expertinnen und Experten warnten davor, Emissionen lediglich von einem Sektor in einen anderen zu verlagern, und forderten Strategien für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft.

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Hitze wird zum Wirtschaftsrisiko

Extreme Hitze belastet zunehmend auch die deutsche Wirtschaft. Laut einer aktuellen Studie führen hohe Temperaturen zu steigenden Energiekosten, sinkender Produktivität und höheren Gesundheitsrisiken für Beschäftigte. Besonders betroffen sind Branchen mit körperlicher Arbeit sowie Unternehmen in stark aufgeheizten Städten. Die Untersuchung macht deutlich: Klimaanpassung und wirksamer Hitzeschutz werden zunehmend zu wirtschaftlichen Standortfaktoren.

Mehr Informationen 
 
Petition

Anthropozän: Die Klimafolgen wirken über Jahrtausende

Eine neue Studie zeigt, wie langfristig der menschliche Einfluss auf das Erdsystem wirkt. Selbst bei stark sinkenden Emissionen könnten bereits ausgelöste Veränderungen über Jahrhunderte bis Jahrtausende fortbestehen. Die Forschenden warnen zudem, dass sich natürliche Rückkopplungen im Klimasystem verstärken könnten. Noch sei es möglich, die Risiken zu begrenzen – dafür müsse der Ausstoß von Treibhausgasen jedoch schnell und dauerhaft sinken.

Zu der Studie
 
In eigener Sache
Dokumentation "Vom EFH zum MFH"

Wissenschaft und Praxis haben bei der Veranstaltung am 18.06. auf die Notwendigkeit für ein Förderprogramm zur EFH-Teilung hingewiesen. Der CDU/CSU- Bundestagsabgeordnete Oliver Pöpsel konnte dies nachvollziehen und sieht auch den vorgeschlagenen Rahmen i.H.v. 500 Millionen Euro als im Haushalt darstellbar an. Ebenso konnten die Teilnehmenden einen Einblick in die Arbeit der Wohnraumagentur Göttingen erhalten und erfahren, dass EFH-Umbauten auch zur Stabilisierung der Siedlungsdichte beitragen können.
Zu den Folien, Aufzeichnung und zentralen Erkenntnissen gelangen Sie durch Klick auf den Button.

Zu den Aufzeichnungen und Folien
Kolumne: Warum wir eine Absicherungspflicht brauchen

Wie kann die Versorgungssicherheit in einem klimaneutralen Stromsystem gewährleistet werden? In seiner aktuellen Kolumne setzt sich unser Beiratsmitglied Matthias Seelmann-Eggebert mit der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung auseinander. Er plädiert für eine sogenannte Absicherungspflicht als Alternative zum geplanten Kapazitätsmarkt und diskutiert, wie der notwendige Ausbau von Wind- und Solarenergie mit gesicherter Leistung für Dunkelflauten verbunden werden kann.

Zur Kolumne
 
Petition
Berlin braucht mehr Straßenbäume

Straßenbäume sind ein wirksamer Schutz gegen Hitze in Städten. Dennoch fehlen in Berlin nach Angaben der Initiative BaumEntscheid rund 45.000 Straßenbäume. Mit einer Petition wird der Regierende Bürgermeister Kai Wegner an sein Versprechen erinnert, mehr Bäume nachzupflanzen als zu fällen. Wer das Anliegen unterstützen möchte, kann die Petition hier unterzeichnen:

Petition unterzeichnen
 
Zahlen des Monats 
1,2 °C

Bäume und Grünflächen sorgen in heißen Sommern für spürbare Abkühlung. In Berlin lag der Kühleffekt im Sommer 2023 bei durchschnittlich 1,2 °C. Das war der höchste Wert unter den zehn größten Städten Deutschlands. Der Mittelwert aller Städte lag bei 0,9 °C. Mehr Karten und Daten dazu im Atlas

Atlas
900.000

Fast eine Million Stadtbäume sind laut Deutscher Umwelthilfe in deutschen Städten verschwunden. Während Hitzewellen häufiger und intensiver werden, geht damit ein wichtiger natürlicher Schutz gegen Überhitzung verloren. Die DUH fordert verbindliche Standards für Stadtgrün und einen bundesweiten Hitzeschutz-Masterplan.

Bericht
20 °C

So stark lagen die Temperaturen an der Westküste der Antarktis zeitweise über dem Durchschnitt. Gleichzeitig fehlt dort Meereis in einer Größenordnung von Frankreich. Forschende beobachten die Entwicklung mit großer Sorge.

Bericht
 
Kommende Termine
30.06.

Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen 

Der aktuelle Entwurf des EEG 2027 könnte die Rahmenbedingungen für private Photovoltaikanlagen grundlegend verändern. In einem Online-Fachgespräch stellt das Forschungsinstitut aquu die Ergebnisse einer vom Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV) beauftragten Studie zur Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen unter den geplanten Regelungen vor. Im Anschluss diskutieren die Studienautoren sowie Vertreter des SFV mit Akteur aus Politik, Medien und Verbänden über die Konsequenzen für den weiteren Ausbau der Photovoltaik und notwendige energiepolitische Weichenstellungen.

Anmeldung
04.07

Stromseminar
EWS

Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) laden zum Stromseminar 2026 ein, das in diesem Jahr als „Fest des Engagements“ stattfindet. Auf dem EWS-Betriebsgelände in Schönau erwarten die Besucher ein Markt der Ideen, Vorträge und Diskussionsrunden, Führungen zu Wind-, Solar- und Nahwärmeanlagen sowie Angebote für Familien und Kinder. Die kostenlose Veranstaltung bietet Raum für Austausch, Vernetzung und neue Impulse für Energiewende, Klimaschutz und Bürgerenergie. Sie findet von 09:30 bis 17:00 Uhr in Schönau im Schwarzwald statt. 

Anmeldung
06.07.

Wasser, Würde und Willenskraft

Wie verändert die Klimakrise den Zugang zu Wasser – und welche politischen Antworten braucht es? Die Heinrich-Böll-Stiftung diskutiert mit Expertinnen und Experten über Wasserknappheit, Verteilungskonflikte und Lösungsansätze – von Nordafrika bis Brandenburg. Die Veranstaltung kann auch per Livestream verfolgt werden.

Anmeldung

Kontakt

 Web  Instagram  Youtube

Klimaschutz im Bundestag (KiB) e.V.

Alfred-Döblin-Platz 1
79100 Freiburg
Tel ++49 (0)761-45893277
Fax ++49 (0)761-59479250
E-Mail: info@klimaschutz-im-bundestag.de
Web: www.klimaschutz-im-bundestag.de


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